Triathlon macht immer noch Spaß

In aller Kürze

Gestern war Race Day Ironman Frankfurt 2017. Ich habe diesen leider nicht ins Ziel gebracht, bei Gesamtzeit steht erneut DNF (did not finish). Darüber bin ich maßlos enttäuscht. Vor allem, weil ich in der Vorbereitung die Erwartungen an mich selbst so hoch geschraubt habe, diese aber nur beim Schwimmen und Radfahren erfüllen konnte. Es hat einfach nicht sollen sein. Und das ist auch schon alles, was ich an Negativem zu diesem Tag sagen möchte!

Vielmehr sage ich „Danke“ an all die lieben Menschen, die mir an diesem Tag durch ihre Anwesenheit an der Strecke, durch geistige Verbundenheit oder mit vielen lieben Worten beigestanden haben! Ich habe so viel Begeisterung und Freude in Euren Augen gesehen, das übersteigt die Enttäuschung um ein Vielfaches. Schön, dass Ihr alle für mich da wart!

In meinem Kopf sind schon seit langer Zeit viele Ideen für meine Zukunft und ich freue mich sehr darauf, meine Erfahrungen als Coach, Trainer oder Mentor an Interessierte weiter zu geben. Denn in jedem Misserfolg liegt immer auch ein positiver Effekt, der für Euch vielleicht von noch größerem Nutzen ist.

PS. Der IM Frankfurt ist Vergangenheit und dieser Artikel ist der Abschluss des Projekts. Gebt mir ein Paar Tage (oder Wochen 😉 ) Zeit, bis ich am See oder wo auch immer wir uns treffen, wieder mit Euch darüber fachsimpeln kann. Vielen Dank!

Der Ausstieg

Mein Zustand nach dem Ausstieg? Einerseits topfit – Arme und Beine, Hüfte und Knie, Füße und Kopf, alles bestens, keine Wehwehchen oder gar Schmerzen.

Dem gegenüber stand ab etwa viertel vor eins am Mittag ein immer stärker werdendes Gefühl von Übelkeit im Magen und ein Brennen in den Bronchien, welches das tiefe Einatmen unmöglich machte (dies habe ich schon beim IM 2015 erleben müssen, hatte es aber auf die große Hitze geschoben).

Der Ausstieg hatte sich nach sechs Kilometern beim Laufen schon angekündigt, ich lag wieder unendlich lange im Sanitätszelt. Trotzdem bin ich nochmal aufgestanden und weiter gelaufen, habe mir das Bändchen für die erste Runde geholt. Dann bin ich aber kurz nach dem Abzweig zum Zielkanal über die Absperrung geklettert. Damit war der Ofen aus und ich erleichtert, dass diese Qual ein Ende hatte. Schließlich hatte ich mir immer geschworen, niemals meine Gesundheit für den Sport zu riskieren. Somit war dies eine konsequente Entscheidung, die ich auch heute nicht bereue.

Die Analyse

Ganz nüchtern betrachtet, hat mein Körper einfach nach vier Stunden auf dem Rad gesagt: Mach Schluss!

Das erste Bild zeigt meine Werte der ersten 120 Kilometer (alles Durchschnittswerte): Tempo 30 km/h, Puls 138, knapp 3000 Kalorien, 77 U/min Trittfrequenz (zu wenig, hier hätte ich gerne eine 85 gesehen), 142 Watt (rechnerisch). Und das alles bei knapp 20° Grad nach dem Schwimmen und 32° Grad in der Mittagshitze.

IMFfm-Analyse-Bike1

Die rote Linie zeigt meinen Puls(-durchschnitt), die grüne die Geschwindigkeit. Bis hierhin alles in Butter.

Dem gegenüber steht folgendes Bild (geänderte Auflösung des Graphen):

IMFfm-Analyse-Bike2

Der Streckenabschnitt beginnt hier mit der Abfahrt vom Hühnerberg. Nach dieser kommt mein Puls kaum mehr in den GA1 Bereich, sondern dümpelt vor sich hin! Dadurch fallen die Werte für Watt (knapp über 100) und natürlich Tempo (27 km/h) drastisch ab. Sogar den finalen Anstieg am Heilsberg bin ich in der Spitze nur mit einem 130er Puls gefahren.

Das Fazit

Eines kann ich somit sagen: Ich kann Triathlon, aber eben nur Mitteldistanzen, denn diese sind nach etwa sechs Stunden beendet. Und so lange ist mein über 50 Jahre alter Körper offensichtlich in der Lage, eine ansprechende und zufriedenstellende Leistung zu bringen.

Im Prinzip hätte ich dies nach der Mitteldistanz in Dieburg vor sechs Wochen auch schon wissen können, die habe ich nach grottigem Schwimmen mit einem Durchschnittspuls von 133 auf dem Rad und 138 beim Laufen überaus locker ins Ziel gebracht. Klar, ein Halbmarathon in 2:03 Stunden ist keine Bombenzeit, aber dafür höre ich mich beim Laufen auch nicht an wie eine Dampflok aus den Anfangszeiten der Eisenbahnen, so wie andere Athleten 😉

Und meine anfänglichen Werte beim IM sind wirklich zufriedenstellend. Die Anfahrt und die erste Runde bis km 96 bin ich mit 31 km/h, 145 Watt, 80 Kadenz, bei 600 Höhenmetern gefahren. Wenn ich diese noch ein Paar Jahre halten kann, ist doch alles in Butter, oder?

 

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Ein Gedanke zu “Triathlon macht immer noch Spaß

  1. Hallo Jörg,
    habe Deinen Artikel gelesen.
    Flüssig und locker geschrieben, angereichert mit sich mir ohne diese Informationen nicht erschließende Werte, zudem interessant und aufschlussreich.
    Deine Zusammenfassung klingt schlüssig und frei von Reue.
    Doch mein lieber Jörg, wenn ich Dir das als Freund sagen darf, ich lese doch ein Bedauern heraus zwischen den Zeilen – mehr als nur die Träne im Knopfloch.
    Verstehe ich. Sehr gut sogar!
    Selbst ohne IM-Erfahrungen kann ich da Analogien ziehen.
    Und deshalb möchte ich Dich wissen lassen wie beeindruckend Deine Vorbereitungen als auch Deine Leistungen gestern _zweifelsohne_ waren. Du hast Dich auf ein Leistungsniveau begeben welches weniger als ein Promille der Menschheit überhaupt nur in Gedanken nachvollziehen können.
    In der Realität befindest Du Dich _weit_ jenseits selbst geübter sportlicher Leistungen.
    Rufe Dir das ruhig ab und an in Erinnerung!
    Meine Hochachtung für diese beeindruckende Performance und die Art und Weise wie Du sie erbracht hast!!! 👍🏻👍🏻👍🏻
    Von Herzen liebe Grüße und auf ganz bald, Jan

    (Übertrag als Kommentar, ursprünglich via Threema)

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